Schimmelpilz und Hausschwamm

Die Schimmelpilze sind heterotrophe Organismen, welche einen Bestandteil des komplexen Ökosystems unserer Umwelt bilden, die beim Abbau organischen Materials eine wichtige Rolle spielen. Sie sind ubiquitär bzw. „überall vorkommend“, „allgemein verbreitet“ oder „allgegenwärtig“. Schimmelpilze sind unter den Organismen mit am weitesten verbreitet und besiedeln unterschiedliche Substrate und Untergründe. Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit können sie sich innerhalb kürzeste Zeit den unterschiedlichsten Bedingungen stellen und Überlebensstrategien entwickeln. Die meisten Schimmelpilzarten brauchen zum überleben und zur Sporenbildung bestimmte Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse. Licht wird in der Regel nicht benötigt und Nährstoffe sind ausreichend vorhanden, da bereits winzige Partikel im Staub schon für das Wachstum genügen. Andere Schimmelpilzarten sind wiederum sehr widerstandsfähig, auch ohne diese Bedingungen. Über Sporen werden sie über die Luft verbreitet und suchen sich neue Lebensgrundlagen. Über diesen Weg gelangen die Sporen der Schimmelpilze auch in die Gebäude und in die Wohnungen. Sie ernähren sich vorwiegend von abgestorbenen organischen Substanzen (Kohlenhydrate, Fette, Eiweisse, Zucker, Lignin). Das Angebot des Nährbodens und das richtige Verhältnis zwischen Feuchtigkeit und Temperatur bilden die Lebensgrundlage für das Wachstum eines Pilzes. Energiegewinnung durch Photosynthese, wie es bei den Pflanzen der Fall ist, gibt es bei den Pilzen nicht.

Sind die klimatischen Bedingungen für den Schimmelpilz günstig, gibt es praktisch kein Naturprodukt, das gegen einen Befall immun wäre. Materialien wie z.B. Leder, Karton, Papier, Wolle, Textilien, Tapeten und Holz sind begehrte Beute für Schimmelpilze. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass sie sogar aus Silikon- bzw. Dehnungsfugen und aus synthetischen Fussböden Nährstoffe ziehen können. Selbst bei Materialien wie Glas, Stein und Metall können Schimmelpilze Oberflächenverätzungen und Korrosion verursachen, vorausgesetzt, diese sind mit Staub oder Fett verschmutzt.

Unter dem Mikroskop ist zu erkennen, dass der Schimmelpilz von zahlreichen feinen Fäden gebildet wird, die zusammen das Mycel aufbauen. Diese Mycelien sind die eigentlichen Schimmelpilze. Farbe und Form der Schimmelpilze sind unterschiedlich und reichen von weissen pelzartigen Belägen bis hin zu flachen grauen, grünen oder schwarzen Flecken. Von den Mycelien zu unterscheiden sind die der Fortpflanzung dienenden Sporenträger, die Sporangien. Diese bilden ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den einzelnen Arten. Bei den Schimmelpilzen lassen sich nach der Form der Sporenträger z.B. Köpfchenschimmel, Pinselschimmel und Giesskannenschimmel unterscheiden. Um die 100’000 Pilzarten sind bisher bekannt.

Zu den vorkommenden Schimmelpilzen, die sich in Wohnungen wohlfühlen gehören Fusarium-, Alternaria-, Botrytis-, Trichoderma-, Aspergillus-, Chaetomium-, Cladosporium-, Aureobasidium-, Mucor-, Penicillium- und Stachybotrys-Arten. Einige dieser Schimmelpilze können als Indikator für Ursachen wie z.B. Feuchtigkeitsschäden herangezogen werden. Bei anderen Schimmelpilzen ist diese Zuordnung nicht möglich. Hinzu kommt, dass Schimmelpilze auch nicht vereinzelt bzw. isoliert vorkommen, sondern immer verschiedene Spezies nachgewiesen werden können.

Substrate, Nährböden, Untergründe

Schimmelpilze können bereits innerhalb von 48 Stunden auf feuchten Untergründen anwachsen. Ihre Anpassungsfähigkeit, nahezu alle Substrate besiedeln zu können, befähigt sie, auf den meisten Untergründen die notwendigen Nährstoffe zu finden und/oder zu verstoffwechseln. Schimmelpilze besitzen eine Vielzahl potenter Enzyme, mit denen u.a. feuchte Wände, Tapeten und Holz als Nährsubstrate verwendet werden können. Da sie zudem in einem sehr breiten Temperaturbereich wachsen können, finden die meisten Schimmelpilzarten in feuchten Innenräumen fast immer geeignete Lebensbedingungen vor.

Besonders schnell und ausgeprägt ist das Wachstum auf zellulosehaltigen Untergründen, da diese über Lignin und Glukoseverbindungen verfügen. Ein idealer Untergrund für das Wachstum von Schimmelpilzen ist eine feuchte Raufasetapete. Ihr Gehalt an Zucker, Eiweiss und Lignin ist relativ hoch. Während eine trockene Raufasertapete diese Nährstoffe zurück hält, werden bei einer feuchten Tapete mit Hilfe des Wassers Nährlösungen gebildet. Zusätzlich bieten Dispersionsfarben, mit denen die Raufasertapeten in den meisten Fällen gestrichen werden, oder auch Leimfarben ausreichend Nahrungsgrundlagen, die in der Regel in den zugesetzten Vedickungsmitteln ihre Ursachen haben. Andere zellulosehaltigen Materialien sind Tapetenkleber, Gipskartonplatten oder auch Holzspanplatten.

Kellerschwamm (coniophora puteana)

Der „braune Kellerschwamm“, ist auch als „brauner Warzenschwamm“ oder „dickhäutiger Braunsporrindenpilz“ bekannt. Er ist neben dem „echten Hausschwamm“ der am häufigsten vorkommende Schadpilz in Gebäuden. Beide Pilzarten sind bekannt als sehr aggressive Holzzersetzer. Bei günstigen Bedingungen kann der sogenannte Kellerschwamm in allen Bereichen eines Hauses wachsen. Daher kann der Name des Pilzes etwas irreführend sein.

Hausschwamm (Serpula lacrymans)

Hausschwämme sind saprobiontische Holzbewohner, die eine intensive Braunfäule im befallenen Holz erzeugen. Der Echte Hausschwamm (Serpula lacrymans) gehört zu den Holzfäulepilzen und bildet Oberflächenmycelien mit Strängen und Fruchtkörpern. Die art-typischen Fruchtkörper produzieren grosse Mengen an Sporen. Sporengrösse und Dicke der Fruchtkörper ermöglichen zusammen mit anderen Merkmalen die sichere Unterscheidung des Echten Hausschwamms von anderen Strang bildenden Hausfäulepilzen.

Die Pilzzellen (Hyphen) der Braunfäulpilze wachsen meistens in den Poren des Holzes (Lumen) und zersetzen die Zellulose durch ihre Enzymabgabe von innen heraus. Durch diese Auflösung der Cellulosefasern wird die mechanische Belastbarkeit des Holzes langsam zerstört. Zur weiteren Nährstoffversorgung können Braunfäulpilze auch gebundenes Phosphat und Magnesium aus Putzen und Böden herauslösen und in ihren Stoffwechsel einbauen.

Hausschwämme auf der Suche nach Nährstoffen sind durch die Ausbreitung der Mycelien in der Lage, Distanzen bis zu 10 Metern zu überwinden. Alte Mauerwerke stellen dabei kein Hindernis dar. Hausschwämme können z.B. aus Sickerleitungen oder von anderen Feuchtquellen genug Wasser abziehen, um dann auch trockene und gesunde Hölzer zu befallen. Vom Hausschwamm befallenes Holz oder sonstige Bauteile müssen meist vollständig ausgebaut und ersetzt werden.

Wird der Befall nicht rechtzeitig entdeckt, kann der Schaden immens werden. Im Extremfall kann ein Hausschwammbefall sogar zum kompletten Abbruch eines Hauses führen.